Staatliche, berufliche und private Vorsorge in der Schweiz: das 3-Säulen-Prinzip

Staatliche, berufliche und private Vorsorge in der Schweiz: das 3-Säulen-Prinzip

- 21. Oktober 2021 - Blog

Mit dem 3-Säulen-Prinzip besitzt die Schweiz einer der effektivsten Vorsorgesysteme der Welt. Die Verbindung von staatlicher, beruflicher und privater Vorsorge bietet jedem Bürger die Möglichkeit, seine Versorgung für das Alter zielgenau zu gestalten.

Das 3-Säulen-Prinzip der Schweiz im Überblick

Das Schweizer Vorsorgesystem basiert auf drei Elementen und ist deshalb auch als 3 Säulen System oder 3 Säulen Prinzip bekannt. Es besteht aus diesen Säulen:

  • 1. Säule: staatliche Vorsorge
  • 2. Säule: berufliche Vorsorge
  • 3. Säule: private Vorsorge

Die staatliche Vorsorge (1. Säule)

Kein Schweizer Bürger muss im Alter um seine Existenz fürchten. Dafür sorgt die 1. Säule des Schweizer Vorsorgesystems. Sie umfasst staatliche Vorsorgeleistungen. Im Kern diese Leistungen ist die AHV. Die Alters-, Hinterlassenenversicherung und Invalidenversicherung. Reicht die gesamte Vorsorge dazu nicht aus, haben Schweizer einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. 

Die AHV-Rente ist nach oben gedeckelt. 2021 beträgt die Maximalrente 28680 CHF pro Jahr oder 2390 CHF im Monat. Um den Höchstbetrag zu bekommen, müssen Sie 44 Jahre lückenlos AHV-Beiträge bezahlen und dabei im Durchschnitt mindestens 86040 CHF verdienen. Zum Durchschnittseinkommen zählen dabei auch Erziehungs- und Betreuungsgutschriften für die Kindererziehung und Pflege. 

Die minimale AHV-Rente erhalten Sie, wenn Sie durchschnittlich weniger als 14340 CHF im Jahr verdient haben. Sie beträgt 1195 CHF pro Monat.

Wer weniger als 43 bzw. 44 lückenlose Beitragsjahre vorweisen kann, erhält anteilig weniger AHV-Rente. Die Berechnung im Einzelnen ist sehr komplex. Unsere Berater helfen Ihnen gerne weiter. Ehepaare erhalten zusammen maximal 150 % der Maximalrente für eine Person, also 3585 CHF im Monat.

Berufliche Vorsorge (2. Säule)

Die berufliche Vorsorge ist die 2. Säule des Vorsorgesystems der Schweiz. Sie ergänzt die Leistungen aus der AHV und soll dazu dienen, den Lebensstandard im Alter zu sichern. Die berufliche Vorsorge ist verpflichtend für alle Arbeitnehmer, die verdienen als den BVG-Mindestjahreslohn, der jährlich angepasst wird. 2021 beträgt er 21550 CHF. Die Pflicht beginnt mit dem Antritt des Arbeitsverhältnisses, in dem der Jahreslohn zum ersten Mal erreicht wird. Mit dem Renteneintritt endet die BVG-Pflicht. 

Die berufliche Vorsorge versichert den Jahreslohn bis zum Maximalbetrag von XX

Darüber hinaus können Sie überobligatorische Beiträge zahlen, wenn die Pensionskasse diese Leistung anbietet. 

Mit dem Erreichen des Rentenalters bringt der Anspruch auf die Rente der beruflichen Vorsorge. Die Höhe hängt einerseits vom angesparten Altersguthaben und andererseits dem Umwandlungssatz ab. Diese beträgt 2021: 6,8 %.

Beispiel: Umwandlungssatz

Sie haben ein Altersguthaben von 400.000 CHF. Würden Sie heute in Rente gehen, hätten Sie Anspruch auf eine Jahresrente in Höhe von 27200 CHF. 

Massgeblich sind die Umwandlungssätze zum Zeitpunkt des Renteneintritts. Sie werden jedes Jahr angepasst und sinken, weil die Lebenserwartung steigt. Deshalb sollte sich kein Schweizer auf die 2. Säule verlassen, um seinen Lebensstandard dauerhaft zu halten. Sinkt die Umwandlungsrate in der Zukunft, sinken damit auch direkt Ihrer späteren Rentenzahlung.

Private Vorsorge (3. Säule)

Die dritte Säule ist die private Vorsorge. Sie ist das einzige vollkommen freiwillige Element der Vorsorge in der Schweiz. Sie erlaubt es Ihnen, zusätzliche Vorsorge aufzubauen und dabei von steuerlichen Vorteilen zu profitieren. 

Die dritte Säule gliedert sich in zwei Bestandteile:

  • Säule 3a
  • Säule 3b

Säule 3a : Steuern Sparen durch private Vorsorge

Wenn Sie die Säule 3a nutzen, schliessen Sie eine Vorsorgevereinbarung mit einer Bank oder eine Versicherung ab. Sie zahlen regelmässig Geld in diese Versicherung ein und haben auch dieses Geld grundsätzlich keinen Zugriff mehr. Nur in Ausnahmefällen ist eine Entnahme möglich. Dafür profitieren Sie in Säule 3a von Steuervorteilen.

Einzahlungen in Säule 3a sind gedeckelt. 

Maximal können Sie 6883 CHF in die Pensionskasse einzahlen. Bis zu diesem Maximalbetrag können Sie die Zahlungen steuerlich geltend machen und abhängig von Wohnort und Einkommen Ihre Steuerrechnung signifikant senken.

Darüber hinaus sparen Sie die Vermögenssteuer: Würden Sie das Geld nicht in Säule 3a einzahlen, sondern auf dem freien Kapitalmarkt anlegen, müssten Sie darauf Steuern zahlen. 

Säule 3b: Freie Altersvorsorge

Die Säule 3b bietet keine Steuervorteile und ist vollkommen freiwillig – sie bezeichnet lediglich alle weiteren Vorsorgemassnahmen, die Sie zusätzlich zur Säule 3a treffen. Weil Säule 3b nicht steuerlich begünstigt ist, wird sie erst relevant, wenn sie Säule 3a mit dem Maximalbetrag vollständig ausschöpfen. 

Wie gut ist das 3-Säulen-Prinzip?

Das Schweizer 3. Säulen-Prinzip gehört zu den besten Vorsorgesystemen der Welt. Durchschnitt 14% des Nettoeinkommens mussten Schweizer Bürger 2021 aufwenden, um im Alter den Lebensstandard halten zu können. In den letzten Jahren war die Schweiz mit dieser Quote sogar europäischer Spitzenreiter.

Einzigartig am Schweizer System ist dabei nicht die Idee der drei Säulen, sondern wie gut sie in der Praxis ineinandergreifen. Sie ergänzen sich zu einem dichten Netz, das fast jede individuelle Lebensgeschichte auffangen kann und so ein Leben in Würde ermöglicht. 

Aber kein Vorsorgesystem ist perfekt. Die demografische Entwicklung führt perspektivisch zu Finanzierungsschwierigkeiten, weil eine Generation die alte Generation finanzieren müssen. Dieses Missverhältnis kann theoretisch durch die Rendite ausgeglichen werden, die die Pensionskassen mit den Renten erzielen. Aber die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB macht den Pensionskassen zu schaffen. Den Schweizern droht langfristig eine Verringerung des Umwandlungssatzes. 

Deshalb sollten Schweizer sich möglichst früh mit der Säule 3a beschäftigen und versuchen, die damit verbundenen Vorteile maximal auszunutzen.

Richtig in Säule 3a investieren: Darauf müssen Sie achten

Viele Menschen nutzen die Säule 3a, ohne den Markt vorher sorgfältig zu prüfen und so das passende Vorsorgeprodukt zu finden. Sie schliessen einfach einen Vertrag bei der Hausbank oder ihrem Versicherungsmakler ab. 

Dadurch entstehen mögliche Lohneinbussen. Bereits 0,5 % Renditeunterschied wirken sich auf Ihren Geldbeutel im Alter 5-stellig aus. Um das richtige Produkt zu finden, sollten Sie methodisch vorgehen:

Höhe der Vorsorgelücke ermitteln

Im ersten Schritt sollten Sie berechnen, wie hoch Ihre Vorsorgelücke tatsächlich ist. Dazu müssen Sie einerseits Ihren Bedarf im Alter einschätzen, andererseits mögliche Ereignisse (Erwerbslosigkeit, Senkung der Umwandlungsrate) berücksichtigen. 

Bank oder Versicherung

Sowohl Banken als auch Versicherungen bieten Vorsorgeprodukte für die 3. Säule an. Während bei Banken das gesamte Kapital eingesetzt wird, geht bei Versicherungslösungen ein Teil für weitergehende Absicherungen ab. Ob ein Bank- oder eine Versicherungslösung besser geeignet ist, hängt also von Ihrem persönlichen Risikoprofil ab.

Festverzinst oder Wertschrift

Bei einer festverzinsten Anlage wird zu Vertragsbeginn ein bestimmter Zinssatz vereinbart, der für die gesamte Vertragslaufzeit garantiert wird. Bei der Wertschrift entwickelt sich Ihr Altersguthaben mit den Kapitalmärkten. Die Banken und Versicherungen legen Ihr Geld an und erwirtschaften Renditen. Das Risiko: Ihr Altersguthaben kann auch sinken.

Wegen anhaltender Niedrigzinsen sind festverzinste Vorsorgeprodukte sehr niedrig verzinst. 

Mehr dazu erfahren Sie bei uns in der Beratung.

Vorsorgeprodukt auswählen

Das ist der schwierigste Teil. In der Schweiz bieten über 100 Banken und Versicherungen Vorsorgeprodukte für die Säule 3 an. Neben einer genauen Marktkenntnis müssen Sie Kosten, Rendite, Flexibilität und Risiko ins Verhältnis setzen, um ein Produkt zu finden, das zu Ihnen passt.

Richtig vorsorgen mit dem 3-Säulen-Prinzip: Darum sollten Sie Säule 3a nutzen

Das 3-Säulen-Prinzip bietet Ihnen umfangreiche Möglichkeiten, Ihre Vorsorge im Alter zu gestalten. Bereits Säule 1 und Säule 2 sichern Ihren Lebensunterhalt – müssen Sie dann überhaupt die 3. Säule nutzen?

Vorsorgelücke schliessen

Säule 1 und Säule 2 entsprechen im Durchschnitt nur ⅔ des letzten Lohns. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass man 80 % des letzten Lohns braucht, um seinen Lebensstandard zu halten. Werden Sie vorzeitig invalide, kommt es ebenfalls zu einer Vorsorgesorgelücke. Nur etwa 60 % des letzten Lohns erhalten Sie bei Invalidität ausgezahlt. Im Todesfall decken erste und zweite Säule die Hinterlassenenvorsorge unzureichend ab. 

Umwandlungsrate berücksichtigen

Die aktuelle Umwandlungsrate ist nicht Stein gemeisselt. Die demografische Entwicklung und anhaltende Niedrigzinsen werden die Schweiz perspektivisch dazu zwingen, die Umwandlungsrate nach unten zu korrigieren. 

Wenn die Vorsorge auf Basis der aktuellen Umwandlungsrate ausreicht, entsteht durch eine Senkung möglicherweise eine Vorsorgelücke. Mit der Säule 3a federn sie solche Änderungen ab. 

Gegen Erwerbslosigkeit absichern

Nicht immer läuft es im Leben wie geplant. Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen ungewollt in die Erwerbslosigkeit rutschen. Mit dem Jobverlust verlieren Sie dann einen Teil Ihrer Altersvorsorge. Für solche Situationen sorgen Sie mit der Nutzung der Säule 3a vor.

Flexibilität sichern

Im Gegensatz zur 1. Säule und zur 2. Säule sind die Beiträge aus der Säule 3a nicht unbedingt bis zum Rentenalter gebunden. Das Gesetz sieht drei Ausnahmen vor: 

  • Kauf/Bau von Wohneigentum
  • Unternehmensgründung
  • Auswanderung

Das gibt Ihnen Flexibilität, Träume in der Zukunft zu verwirklichen und dabei trotzdem von den steuerlichen Vorteilen von Säule 3a zu profitieren.

Wie funktioniert Säule 3a?

Die Säule 3a bietet Schweizer Bürgern die Möglichkeit, steuerbegünstigt Geld für das Alter anzusparen. Bis zu einem Maximalbetrag wirken sich die zahlten Beiträge steuermindernd aus. Anspruch auf die gezahlten Beiträge hat man in der Regel erst zum Renteneintritt. Nur bei der Anschaffung eines Eigenheims, der Gründung eines Unternehmens oder Auswanderung ist ein Vorbezug der Beiträge aus der Säule 3a möglich.

Wer kann in die Säule 3a einzahlen?

In die Säule 3a kann jeder Bürger einzahlen, der in der Schweiz lebt.

Wie viel Geld darf ich die Säule 3a einzahlen?

Für die Säule 3a gibt es einen Maximalbetrag. Dieser liegt 2021 bei 34.416 CHF. Wenn Sie darüber hinaus privat vorsorgen wollen, steht Ihnen dazu Säule 3b zur Verfügung. Sie hat steuerlich allerdings keine Vorteile.

Wie wird Säule 3a versteuert?

Auch bei der Auszahlung der Beiträge aus der dritten Säule ist steuerbegünstigt. Statt den normalen Einkommensteuersatz zahlen Sie die Kapitalauszahlungssteuer.